Chronik

Die Gründung

 

Anfang des Jahres 1967 beobachtete der Coburger Polizist Helmut Wagner einen amerikanischen Soldaten in einem Trainingsraum in Coburg beim Karatetraining. Begeistert von der Ausstrahlung und der technischen Perfektion des Athleten bat er um Unterricht in der ihm bisher unbekannten Kampfsportart.

Nach zahlreichen Trainingseinheiten wuchs in Helmut Wagner der Wunsch, diesen faszinierenden Sport in Coburg zu etablieren und auch einem größeren Kreis kampfsportbegeisterter Interessenten anzubieten.

Sein Vorschlag, in Coburg ein Dojo zu eröffnen, fiel beim SV Hut auf fruchtbaren Boden und am 13. September 1967 war es dann so weit. Helmut Wagner gründete auf der Hut eines der ersten Karate-Dojos in Bayern. Gleich zum ersten Training fanden sich 67 Aktive ein, denen Helmut Wagner über Jahre das Erlernte weiter vermittelte.

 

Die Anfänge

Als ein großer Glückfall für das neue Dojo erwies sich der Zugang von Gert Hulak, der als Polizeibeamter in Coburg seine neue Heimat fand. Als Braungurtträger verfügte er über ein Wissen und Können, das Ende der sechziger Jahre für Nordbayern fast einmalig war. Um ihn herum bildete sich zusammen mit Helmut Wagner und Horst Müller ein starkes Team, welches das Dojo schnell voranbringen sollte.

Gert Hulak wollte seinen zahlreichen Kampfsportbegeisterten möglichst schnell ein fundiertes Wissen über Karate vermitteln. Neben seinem eigenen intensiven Training verpflichtete er somit zahlreiche nationale und internationale Größen des Karatesports, die in Coburg anspruchsvolle Lehrgänge anboten.

Darunter befand sich unter anderem der bekannte japanische Sensei Nakashima und auch der damalige Bundestrainer Hideo Ochi war gleich mehrfach zu Gast in Coburg. Aus der deutschen Karateszene seien hier nur Hannes Hähnlein, Alfred Heubeck, Horst Hantel und Franz Bork angeführt, um nur einige der Spitzensportler zu nennen, die unseren Coburgern ihr Wissen weitervermittelt haben.

 

Die 70er und 80er

Nach knapp fünf Jahren erfolgreichen Aufbaus übergab Gert die Trainerverantwortung an seinen Schüler Wolfgang Brehm, der dann fast zwei Jahrzehnte lang die weiteren Geschicke des Dojos leitete. Unter der Leitung von Wolfgang Brehm nahm das Dojo des SV Hut ab 1975 nun auch regelmäßig an Meisterschaften teil, um sich mit anderen Sportlern auf regionaler und nationaler Ebene zu messen. Bereits nach kurzer Zeit zahlte sich das harte Training aus und es konnten neben zahllosen Erfolgen auf der Bezirksebene auch die ersten Bayerischen Meistertitel und Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften gefeiert werden. Die Aufnahme der Coburger Karatekas in den Bayerischen Landeskader war nur noch eine logische Konsequenz.

Bis Ende 1982 – der Verein feierte gerade mal sein 15-jähriges Bestehen – hat das Karate-Dojo bereits an knapp 50 Lehrgängen im gesamten Bundesgebiet und an etwa 25 Meisterschaften teilgenommen.

Dieser Trainingsfleiß und die stetig wachsende Wettkampferfahrung wurden belohnt. Im Jahr 1987 holte der SV Hut den ersten Deutschen Meistertitel nach Coburg!

 

Die 90er und 00er

Anfang der 90er Jahre übernahm Walter Sosniok das Dojo. Unter seiner Regie läutete er die gemessen an sportlichen Erfolgen erfolgreichste Zeit der SV Hut ein. Unsere Coburger Karatekas – angeführt von unseren Vorzeigeathleten Stefan Müller und Heidi Reichenbacher – gewannen zahlreiche Medaillen und Titel auf den Deutschen Meisterschaften, so dass der Name SV Hut nun auch auf nationaler Ebene ein Begriff wurde.

Nach Jahren des sportlichen Erfolgs mit dem Verein konzentrierte sich Walter Sosniok verstärkt auf seine Tätigkeit als Offizieller im Karateverband. Auch hier zählte er schon nach kurzer Zeit – ob als Bezirksvorsitzender, Wettkampfleiter in Bayern, Mitglied der Wettkampfkommission des DKV oder als Internationaler Kampfrichter – zu den Großen der Szene und erhielt für seine Verbandsarbeit die höchste vom DKV vergebene Auszeichnung – der Ehrennadel in Platin.

 

Heute

Die zeitintensive Verbandsarbeit brachte es natürlich mit sich, dass die Sportler des Dojos nicht mehr mit der Intensität betreut werden konnten, die unser Kampfsport verlangt. Vor diesem Hintergrund nutzte der Verein im Jahr 2008 die Gunst der Stunde und verpflichtete mit Dietmar Renner einen der erfolgreichsten Kumite-Trainer Bayerns. In seiner mehr als 40-jährigen Trainerlaufbahn führte er unzählige Sportlerinnen und Sportler zu Bayerischen und Deutschen Meistertiteln.

Mit großem Engagement und seiner Erfahrung erweckte er den Verein aus seinem Dornröschenschlaf: Innerhalb kürzester Zeit wurde so aus dem SV Hut Coburg wieder der mit Abstand erfolgreichste Karateverein in Oberfranken und kehrte auch mit tollen Ergebnissen auf die überregionalen Kampfflächen zurück. Zahlreiche Bayerische Meistertitel und Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften belegen den Umschwung eindrucksvoll. Leider musste diese Zusammenarbeit Ende 2013 beendet werden, da sich Dietmar Renner altersbedingt nicht mehr in dem Maße dem Verein widmen konnte, wie es bei einem erfolgreichen Verein notwendig wäre.

Nach intensiver Suche ist es unserem Dojo gelungen, Dietmar Renner ab dem Januar 2014 durch einen Hochkaräter mehr als nur zu ersetzen. Der weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannte Bernd Weber – Landesschiedsrichter, Träger des 3. Dans, selbst mehrmaliger Bayerischer Meister im Kumite und Kata, Leistungssport- und Jugendreferent – stößt als Trainer zum Dojo des SV Hut dazu und will mithelfen, unsere gute und umfassende Ausbildung auf ein noch höheres Level anzuheben.

Die phänomenale Aufbruchsstimmung erstreckte sich allerdings nicht nur auf den sportlichen Bereich. Das ständig wachsende engagierte Trainer- und Betreuerteam schaffte es, im Verein einen ganz besonderen Zusammenhalt und Teamgeist zu wecken, der in einer solch leistungsorientierten Umgebung wohl einmalig ist.

Diese aktuelle Entwicklung wird äußerst wohlwollend von unserem Schwarzgurtträger Horst Müller betrachtet, der – und hier schließt sich der Kreis – als Letzter der Gründergruppe von 1967 noch heute als junggebliebener 78-Jähriger Woche für Woche am Training teilnimmt.